2015: 100 Jahre Leipziger Hauptbahnhof - die Bahnhofsführung

Der imposante Bau in einer Länge von 300 m und den 26 Bahnsteigen ist eine Kathedrale für die Eisenbahn. Die alten Wartesäle, der Speisensaal und der Querbahnsteig lassen den Glanz der vergangenen Eisenbahnepoche fühlen. Das Foto zeigt die Dampflok BR 03, die ab 1932 für den Schnellzugdienst im BW West stationiert war.

 

Der Bau des Hauptbahnhofes war eine technische und organisatorische Meisterleistung. Aus vier alten Bahnhöfen wurde der neue Leipziger Zentralbahnhof. Von 1900 - 1915 sind weiterhin die Güterbahnhöfe in Wahren und Engeldsdorf sowie der Postbahnof gebaut worden.

1913 wurde der erste Teil - die Westhalle - in Betrieb genommen. Bei der Konstruktion der Gleishalle wurde das Prinzip von Gustave Eiffel - genietetes Eisenfachwerk - verwendet.

1915 war der gesamte Querbahnsteig fertig. Er erreicht eine Länge von 270m und macht deutlich, dass ein Palast für die Reisenden gebaut worden ist.

Der Leipziger Hauptbahnhof war die neue Sehenswürdigkeit. Der Bau ist auf vielen Ansichtskarten verewigt worden.

Der Leipziger Hauptbahnhof hatte verschiedene Tunnel. Mittels der Gepäcktunnel konnten die Koffer der Reisenden von der Gepäckaufgabe bis zum Gepäckbahnsteig befördert werden. Bis 10 Minuten vor Abfahrt des Zuges konnte das Gepäck aufgegeben werden.

Im Verbindungstunnel zwischen West- und Osthalle war die Gepäck- und die Expressgutannahme untergebracht.

Mit Seilzugförderung wurden die Gepäckkarren unter dem Gleisfeld des Hauptbahnhofs bewegt. Damit erfolgte der Transport des Epressgutes von der Annahme bis zum Einladen in die Expressgutwagen.

An der Ostseite des Hauptbahnhof ist zeitgleich das kaiserliche Bahnpostamt eröffnet worden Vom Bahnpostamt führte der Posttunnel in den Hauptbahnhof. Damit war ein schnelles Be- und Entladen der Briefpostwagen möglich. Das Bahnpostamt ist heute das A&O Hotel. Im Vordergrund ist ein alter Postaufzug mit Treppenabgang auf dem Gepäckbahnsteig zu sehen.

Der Leipziger Hauptbahnhof ist von der preußischen und sächsischen Bahn gebaut worden. Von der Teilung künden noch heute die West- und die Osthalle. In den  Empfangshallen waren bis Anfang der 1990 Jahre die Fahrkartenschalter untergebracht.

Der Hauptbahnhof bietet mit seiner Bahnhofswirtschaft eine vorzügliche Gastronomie an. Der Inhaber Erich Naumann offeriert seinen Gästen eine Speisenkarten mit tagtäglich 120 Gerichten. 300 Angestellte sind im 3-Schichtbetrieb für die Versorgung der Reisenden tätig.

Lange Zeit bestimmten die Dampfrösser das Bild bei der Bahn. Die neue Einheitslok BR 64 kam ab Mitte der 20er Jahre auf den sächsischen Strecken zum Einsatz.

Nach dem I. WK erfolgt die Elektrifizierung vieler Hauptstrecken. Der Elektrische Fernverkehrstriebwagen BR ET 41 fuhr ab 1928 zwischen Leipzig und Halle bzw. Magdeburg.

Der Doppeltriebwagen der BR ET 25 war mit 120 km/h Höchstgeschwindigkeit ab 1936 zwischen Leipzig und Magdeburg im Einsatz.

1944 versank ein Großteil des Hauptbahnhofes in Trümmern. Das Foto zeigt den Querbahnsteig mit der abgestützten Dachkonstruktion und den zusammen gebrochen Abschlussbögen.

Nach dem II. WK wurde als Reparationsleistung die Oberleitungen abgebaut und an die Sowjetunion geliefert. So kam die Dampflok wieder zu Ehren. Ab 1959 kam die Neubau-Dampflok BR 23 zum Einsatz. Die BR 23 löste die Loks der Baureihe 41 und 38 im Schnellzugdienst ab.

Wenige Jahre nach dem Krieg wurde mit dem Wiederaufbau des Hauptbahnhofes begonnen. 1959 wurde die Montage der Betonfertigteile und damit die Fertigstellung der Abschlussbögen vollendet.

Der Diesel-Schnelltriebzug BR 175 verkehrte ab 1969 als Karlex auf der Strecke Leipzig - Berlin - Karlovy Vary.

Die Aufsicht der DR bei der Durchsage der Anschlusszüge beim ankommenden Reisezug. Ein alltägliches Bild bis in die 1990iger Jahre.

Die erste S-Bahn mit den blau-gelben Mitteleinstiegswagen steht 1969 im Hauptbahnhof zur Abfahrt bereit.

Durch die MITROPA wurde auch in der DDR der Wartesaal der ehemaligen 3. und 4. Klasse auf der Westseite im Jahre 1954 bewirtschaftet.

Manch Reisender hat sich die Nase an der Scheibe platt gedrückt. Die Pautze-Fahrkartendrucker mit Druckplattenschrank waren von 1930 bis 1975 im Einsatz.

Die digitale Zeit begann bei der DR in den 1980iger Jahren. Das Foto zeigt die Epla-Information über freie Plätze in den Platzkartenzügen auf 3 Bildschirmen im Jahre 1988 im Leipziger Hauptbahnhof.

Blumen-Hanisch betreibt seit 1913 ein Geschäft im Hauptbahnhof. Der Laden wurde 1965 modernisiert. Daneben die Verkaufsstelle der Mitropa für Lebensmittel und darüber das Fernsprechpostamt.

1997 wurden der Hauptbahnhof nach einer kompletten Umgestaltung als Promenaden mit 140 Geschäften und Dienstleistungen wieder eröffnet. Mehrfach wurde der Hauptbahnhof als schönster deutscher Bahnhof ausgezeichnet.